
Die stellvertretende Personalleiterin der Stadt Müllheim im Markgräflerland in Baden-Württemberg hat es kürzlich auf LinkedIn geschrieben, dass es eines der spannendsten Projekte für sie ist: der Aufbau eines neuen Teams einer neuen Kita.
Im Interview gibt sie Einblicke über ihre Herangehensweise, die Besonderheit des Projektes und die veränderte Personalarbeit in Verwaltungen.
Sie bauen für eine neue Kita ein Team auf. Wie gehen Sie das an?
Für mich beginnt der Aufbau eines neuen Teams immer mit einem klaren gemeinsamen Bild. Wie soll diese Kita arbeiten, wie soll sich die Zusammenarbeit anfühlen und wofür wollen wir stehen?
Das entwickle ich natürlich nicht allein, sondern in sehr enger Abstimmung mit der zukünftigen Leitung und unserer pädagogischen Fachberatung im Rathaus. Diese Perspektiven zusammenzubringen ist aus meiner Sicht entscheidend, damit später nicht nur die Struktur passt, sondern auch die Haltung.
Darauf aufbauend überlegen wir sehr bewusst, welche Menschen wir brauchen. Fachlichkeit ist wichtig, aber am Ende geht es auch darum, ein Team zusammenzustellen, das gut miteinander arbeiten kann.
Was macht es besonders attraktiv, bei einer neuen Kita „von Anfang an“ dabei zu sein?
Ich glaube viele unterschätzen, wie besonders diese Phase ist. Man findet kein fertiges System vor, sondern gestaltet es aktiv mit.
Gerade in der engen Zusammenarbeit mit der Leitung und der Fachberatung entsteht ein Raum, in dem Ideen wirklich gehört und umgesetzt werden können. Das schafft eine starke Identifikation.
Mein Eindruck ist, dass genau dieser Gestaltungsspielraum für viele Fachkräfte heute ein entscheidender Faktor sein kann.
Im LinkedIn-Beitrag sprechen Sie von Entwicklungsmöglichkeiten aus den eigenen Reihen. Wie wichtig sind interne Karriereperspektiven heute für die Bindung und Gewinnung von Fachkräften?
Aus meiner Sicht sind sie einer der wichtigsten Hebel überhaupt.
Wenn Mitarbeitende sehen, dass Entwicklung im eigenen Haus möglich ist und diese auch aktiv begleitet wird, verändert das die Wahrnehmung eines Arbeitgebers grundlegend. In unserem Fall zeigt sich das sehr konkret in der engen Zusammenarbeit mit der zukünftigen Leitung, die sich intern weiterentwickelt hat.
Solche Wege machen Perspektiven greifbar und wirken weit über die einzelne Person hinaus.
Welche Faktoren überzeugen aus Ihrer Erfahrung heraus pädagogische Fachkräfte?
In Gesprächen zeigt sich immer wieder, dass es nicht die eine Sache ist, die überzeugt.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus guten Arbeitsbedingungen, einem verlässlichen Team und einer wertschätzenden Führung. Ergänzt wird dies durch die fachliche Begleitung unserer pädagogischen Fachberatung, die eine zentrale und wichtige Rolle spielt, weil sie Qualität sichert und Entwicklung unterstützt.
Am wichtigsten ist meiner Meinung nach jedoch ein Arbeitgeber, der präsent ist, zuhört und gemeinsam nach Lösungen sucht, wenn es mal „klemmt“. Genau diesen Anspruch haben wir bei der Stadt Müllheim i. M.
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei der Gewinnung von Kita-Personal und wie begegnet die Stadt Müllheim i. M. diesen konkret?
Die größte Herausforderung ist ganz klar der Fachkräftemangel. Wir bewegen uns in einem Markt, in dem sich die Rahmenbedingungen zugunsten der Bewerbenden verschoben haben.
Unsere Antwort darauf ist, deutlich aktiver zu werden. Wir setzen auf schnelle Prozesse, persönliche Ansprache und eine klare Kommunikation dessen, was uns ausmacht.
Gleichzeitig legen wir großen Wert auf enge Abstimmung zwischen Personal, zukünftiger Leitung und Fachberatung. So stellen wir sicher, dass wir nicht nur schnell besetzen, sondern die richtigen Menschen gewinnen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist für uns die Ausbildung von Fachkräften in unseren bestehenden Kitas. So entwickeln wir gezielt Nachwuchskräfte und haben die Möglichkeit, gut ausgebildeten Fachkräften frühzeitig eine Perspektive bei uns anzubieten.
Wie verändert sich aus Ihrer Sicht die Personalarbeit in Kommunen insgesamt, insbesondere mit Blick auf Fachkräftemangel und neue Erwartungen von Bewerbenden?
Ich würde sagen, sie wird deutlich strategischer und auch sichtbarer.
Personalarbeit bedeutet heute nicht mehr nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten. Wir müssen erklären können, wofür wir als Arbeitgeber stehen und was uns besonders macht.
Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit mit unseren Fachbereichen intensiver. Gerade im Kita-Bereich zeigt sich, wie wichtig die enge Verzahnung von Personal, Leitung und pädagogischer Fachberatung ist, um gute Rahmenbedingungen und damit ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten und auch bleiben.
Welche Recruiting-Kanäle oder Formate funktionieren für die Stadt Müllheim i. M. aktuell besonders gut?
Wir sehen, dass eine Mischung entscheidend ist.
Klassische Stellenplattformen bleiben wichtig, aber besonders gut funktionieren Formate, die echte Einblicke geben. Mein LinkedIn-Beitrag ist ein gutes Beispiel dafür. Solche Beiträge machen Projekte sichtbar und schaffen eine persönliche Verbindung.
Ergänzt wird das durch Netzwerke und direkte Ansprache. Viele gute Gespräche entstehen heute aus einem ersten Kontakt und nicht erst aus einer klassischen Bewerbung.
Angenommen das Team der neuen Kita steht: Wie wird das Onboarding umgesetzt?
Gerade bei einer neuen Kita ist ein funktionierendes Onboarding ein zentraler Erfolgsfaktor.
Wir planen bewusst gemeinsame Vorbereitungsphasen, in denen das Team zusammenkommt, sich kennenlernt und gemeinsam Grundlagen erarbeitet. Das passiert in enger Abstimmung mit der Leitung und mit Unterstützung der pädagogischen Fachberatung.
Uns ist wichtig, dass von Anfang an ein echtes Teamgefühl entsteht und gleichzeitig fachliche Sicherheit gegeben wird. Beides zusammen sorgt dafür, dass Mitarbeitende gut ankommen und langfristig bleiben.
Danke für das Interview, Frau Vogel!