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“In der Konkurrenz um die besten Kräfte müssen wir unsere Benefits herausstellen, den Bewerbungsprozess niederschwellig halten und vor allem schnell sein.”   

Frau Eitelwein, Frau Bergold dies ist unser erstes Doppelinterview bei public-pioneers. Sie Frau Eitelwein sind die Leiterin Personalentwicklung und Organisation und Sie Frau Bergold haben die Funktion als stellv. Leitung inne. Wir wollen mit Ihnen über das Personalmarketing beim Landkreis Würzburg sprechen.

Was treibt Sie an, in diesem Tätigkeitsfeld zu arbeiten? 

Sarah Eitelwein: Bevor ich im Landratsamt Würzburg angefangen habe, war ich als Vorstandsassistentin in der Versicherungsbranche tätig und hatte ein wirklich abwechslungsreiches Aufgabengebiet. Als ich mich dann für Personalentwicklung im Landratsamt Würzburg entschieden habe, hieß es „Da wird es DIR doch viel zu schnell langweilig!“. Und was soll ich sagen? Seitdem ich hier bin, habe ich selbst nicht nur den besten und abwechslungsreichsten Job der Welt, sondern kann auch anderen vermitteln, dass die Tätigkeiten bei uns im Landratsamt Würzburg vielseitig, abwechslungsreich und vor allem gemeinwohlorientiert sind. Und das ist eine erfüllende Tätigkeit! 

Lena Bergold: Ich bin im Landkreis Würzburg aufgewachsen und durch Familie und Vereinszugehörigkeit verwurzelt. Mich persönlich begeistert tagtäglich vor allem die abwechslungsreiche Arbeit mit und für Menschen in unserer Region. Mit meiner Leidenschaft für die Arbeit bei uns möchte ich andere Personen anstecken, in dem ich aufzeige, was wir als Arbeitgeber bzw. Dienstherrn alles zu bieten haben und letztendlich meinen Beitrag für eine moderne und zukunftsfähige Verwaltung leisten. 

Sie haben Ihre LinkedIn-Aktivitäten beim Landkreis und auch persönlich ausgebaut. Welchen Mehrwert bietet Ihnen LinkedIn? 

Sarah Eitelwein: Ich habe LinkedIn, glaube ich, immer noch nicht mit allen Facetten erfasst, kann mich aber immer wieder für die vielseitigen und inspirierenden Postings begeistern. Insbesondere im Bereich HR lese ich immer wieder Beiträge, die mir spannende Impulse liefern. Als Landratsamt Würzburg zu posten, bedeutet für mich immer wieder darüber zu reflektieren, was wir eigentlich so tun und wie wir das interessant darstellen können. Das intensiviert meine Begeisterung für unsere tägliche Arbeit immer wieder aufs Neue! 

Lena Bergold: LinkedIn schätze ich für die hohe inhaltliche Qualität der Beiträge im beruflichen Kontext und nutze die Plattform gerne, um mich über die neuesten Entwicklungen im Bereich HR auf dem Laufenden zu halten. Auch das Knüpfen neuer Kontakte ist m. E. nicht zu unterschätzen – so konnte ich auf Einladung einer Linkedin-Bekannten am Barcamp U30 im Rahmen des Zukunftskongresses Staat & Verwaltung teilnehmen. Selbst teile ich bislang noch selten Beiträge, möchte dies zukünftig jedoch weiter ausbauen. 

Welche Maßnahmen führen darüber hinaus aus Ihrer Erfahrung zu mehr Sichtbarkeit als Arbeitgeber oder im Endeffekt sogar zur Personalgewinnung- und –bindung? 

Sarah Eitelwein: Wir haben gelernt, dass unsere Karriereseite sehr wichtig für uns ist. Ein Großteil unserer Bewerberinnen und Bewerber findet darüber den Weg zu uns. Daher haben wir im vergangenen Jahr die Karriereseite gemeinsam mit unserer Agentur neu gedacht und liegen in den finalen Zügen, was die Umsetzung betrifft. Und auch hier hat mich unser Haus wieder mal begeistert: Zahlreiche Personen aus allen Berufsgruppen haben sich freiwillig für das Karriereseiten-Fotoshooting gemeldet, um unserem Amt auch nach außen ein Gesicht zu geben! Wir freuen uns, wenn unsere Mitarbeitenden gerne bei uns arbeiten, egal, ob sie erst frisch dazukommen oder schon jahrelang das Amt am Laufen halten. Für die neuen Kolleginnen und Kollegen veranstalten wir, auch im Sinne der Personalbindung, regelmäßig Willkommenstage, die nicht nur dem Netzwerken dienen, sondern auch wichtige Informationen vermitteln. Und unser Landrat Thomas Eberth nimmt sich eine ganze Stunde Zeit für „die Neuen“. Für Viele ein echtes Highlight und aus meiner Sicht ein Zeichen großer Wertschätzung angesichts des übervollen Terminkalenders. 

Lena Bergold: Durch unsere Präsenz bei Messen haben wir schon gute Kräfte gewinnen können. Dieses Jahr sind wir zum ersten Mal bei den Praxistagen der Hochschuljobbörse dabei und präsentieren uns Studierenden der Bereiche IT, Bau, Wirtschaft und Umwelt, welche den öffentlichen Dienst erfahrungsgemäß weniger als potentiellen Arbeitgeber auf dem Schirm haben. Im laufenden Auswahlverfahren ist unser Anspruch schnell, professionell und wertschätzend zu sein: Wir senden regelmäßige Updates zum Verfahrensstand, zeigen in unserer Signatur Gesicht und senden Geburtstagsgrüße – hiermit haben wir schon gute Erfahrungen gemacht. Personalbindung ist hier tatsächlich ein tolles Stichwort – viele Bewerberinnen und Bewerber werden tatsächlich durch unsere Mitarbeitenden auf uns aufmerksam, so dass auch Mitarbeitendenzufriedenheit eine große Rolle spielt, welche natürlich durch eine Reihe von verschiedensten Faktoren beeinflusst wird – wir leisten hier u.a. durch unser Engagement bei verschiedenen Arbeitskreisen einen Beitrag. 

Welche besonderen Schwierigkeiten sehen Sie für das Personalmarketing im öffentlichen Dienst im ländlichen Raum? 

Sarah Eitelwein: In Bezug auf das klassische Personalmarketing fehlt uns ein Teil der Werbeplattformen-Palette. Immer wieder sehe ich interessante und kreative Werbung für Personal bei LinkedIn oder in den Präsentationen mancher Referenten, z.B. Werbung auf Bussen, auf Plakatwänden oder in den Displays im öffentlichen Nahverkehr. Das ist für uns aber weder in finanzieller Hinsicht (öffentlicher Dienst) denkbar, noch in Bezug auf unsere Zielgruppe, die häufig aus dem ländlichen Raum kommt. Bei einem Landkreis, der aus 52 Gemeinden mit 113 Ortsteilen besteht, würden wir aber mit den angesprochenen Werbeaktionen immer nur einen Bruchteil der Zielgruppe erreichen. Aber ich möchte mit einem positiven Aspekt des ländlichen Raumes abschließen: Wir haben aufgrund der Schwierigkeiten der Personalgewinnung für den öffentlichen Dienst im ländlichen Raum eine Ausbildungspartnerschaft mit unseren Gemeinden gestartet, bei der wir gemeinsam überlegen, wie wir Nachwuchskräfte auch für die Gemeinden gewinnen, qualifizieren und binden können. Damit bündeln wir Kräfte und können Synergien nutzen! 

Lena Bergold: Wir stellen fest, dass eine erhebliche Anzahl unserer Bewerberinnen und Bewerber aus den Landkreisgemeinden kommt. Aufgrund des Sitzes des Landratsamtes in der Stadt Würzburg müssen teilweise lange Fahrtzeiten (wir sind ein großer Flächenlandkreis) in Kauf genommen werden; der ÖPNV stellt häufig keine Alternative dar. Als Landkreis, der im Süden an Baden-Württemberg angrenzt, stehen wir zudem in Konkurrenz mit den dortigen Behörden – und im Stadtgebiet Würzburg sind zahlreiche weitere Behörden beheimatet (u. a. Regierung von Unterfranken, Bezirk Unterfranken, Stadt Würzburg, Universität Würzburg). Demgegenüber steht allerdings die Möglichkeit, die eigene Region aktiv mitzugestalten (um nur ein Beispiel zu nennen) und nach dem Feierabend die Freizeitangebote der Stadt Würzburg zu nutzen. 

Wie nehmen Sie Führungskräfte beim Thema Personalmarketing mit? 

Sarah Eitelwein und Lena Bergold: Mit unseren Führungskräften stehen wir in intensivem Austausch. Unter anderem binden wir diese in die Werbung geeigneter Bewerberinnen und Bewerbern mit ein: Wir diskutieren geeignete Wege zur Veröffentlichung der Stellenausschreibungen und stimmen uns bezüglich des Besuchs von Messen und Ähnlichem ab: So werden unsere Führungskräfte z. B. dieses Jahr auch ihre Bereiche bei den Praxistagen als Botschafter vorstellen und uns so aktiv bei der Akquise von Nachwuchskräften unterstützen. Für die neue Karriereseite konnten wir unsere Führungskräfte zudem als Models gewinnen, was einen authentischen Auftritt nach außen ermöglicht. 

Blicken wir weiter in die Zukunft. Wie wird sich in den kommenden 5 Jahren die Personalgewinnung im öffentlichen Dienst ändern? 

Sarah Eitelwein und Lena Bergold: Auch hier können wir mit einer Stimme sprechen: Wir gehen davon aus, dass sich der „Arbeitnehmermarkt“, also eine höhere Nachfrage nach Arbeitskräften als das Angebot an verfügbaren Kräften, in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen wird. In der Konkurrenz um die besten Kräfte müssen wir unsere Benefits herausstellen, den Bewerbungsprozess niederschwellig halten und v. a. schnell sein. Derzeit denken wir vor diesem Hintergrund bereits über die Kommunikation via WhatsApp nach. Aktuell machen wir gute Erfahrungen mit der Weiterqualifizierung von Quereinsteigern – dieses Modell werden wir zukünftig weiter ausbauen. Zudem beschäftigen wir uns intensiv mit der neuen Generation Z und werden in diesem Zusammenhang auch unsere Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten intensivieren. Insgesamt sind wir jedoch zuversichtlich, weiterhin gute Mitarbeitende gewinnen zu können: Gerade wenn die Lage in der freien Wirtschaft schlechter wird, kann der öffentliche Dienst als verlässlicher Arbeitgeber/Dienstherr punkten. Und ganz unabhängig davon haben wir viele weitere gute Argumente auf unserer Seite (tolle Karrieremöglichkeiten, Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeitmodelle, Arbeit für das Gemeinwohl usw.) – wir blicken daher positiv in die Zukunft! 

Vielen Dank für das Interview!

“In der Konkurrenz um die besten Kräfte müssen wir unsere Benefits herausstellen, den Bewerbungsprozess niederschwellig halten und vor allem schnell sein.”  
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